Entworfene Natur
Noch nie konnte eine Buga, wie diese in Schwerin, mit einem solchen gärtnerischen Reichtum, mit einer solchen Fülle der Gartenkunst arbeiten. Vom barocken Gartendenkmal bis zur Vision eines Gartens des 21. Jahrhunderts reicht die Spanne der Sieben Gärten der Buga. Als Leitlinie für das Kunst-Konzept der Buga bietet sich geradezu die Essenz der Gartenkunst an: der Garten als die Idee einer entworfenen Natur.
Dieser Grundgedanke der Gartenkunst ist heute aber in eine paradoxe Lage geraten. Das Moment des Entwurfs, des Designs ist in den Medienbildern oder in Architektur und Mode heute für uns absolut selbstverständlich. Unser Verständnis aber von Natur, was Natur ist oder sei, ist jedoch immer noch zutiefst von einem Glauben an Natürlichkeit geprägt. In der Gartenkunst geht es aber immer auch um den Entwurf von Natur, d.h. um die Darstellung von Natur. Sie erst ermöglicht es, Natur als Thema und als Motiv fassbar zu machen und so zur Anschauung zu bringen. Aus unserem Umgang mit Bildern ist uns dies bestens vertraut. Wir wissen: Jedes Bild beruht auf einem Entwurf. Jedes Bild, sei es Renaissancegemälde, abstraktes Bild oder Fotografie, basiert auf dem Entwurf, was abgebildet werden soll und wie etwas abgebildet wird. Auch der Gartenkunst liegt ein solcher Entwurf zu Grunde. Erst in der Kultivierung von Natur können wir Natur als etwas Ästhetisches wahrnehmen.
Einerseits wissen wir um den konstruierten Charakter der uns umgebenden Natur und andererseits vergessen oder verdrängen wir, dass wir selbst dieses Bild der Natur entworfen haben. Betrachtet man die Gartenkunst vor allem in ihrer geschichtlichen Entwicklung, stellt sich auf prägnante Weise die Frage, wie wir Gärten benutzen und als was wir sie wahrnehmen: Sind Gärten eine Projektion unserer Sehnsucht nach Natürlichkeit, sind sie gelungene Entwürfe einer idealen Naturvorstellung, sind sie die Erfüllung eines Schönheitsideals, sind es phantastische Konstruktionen möglicher Naturbändigung?
Die Kunst auf der Buga Schwerin 2009 soll diese Spanne zwischen Entwurf und Natürlichkeit thematisieren. Die Sieben Gärten der Buga bilden einen einmaligen Hintergrund für eine künstlerische Reflexion des historischen Wandels unseres Naturverständnisses. Die Bandbreite dieser Gärten reicht vom Historischen bis zum Zeitgenössischen, ihre verschiedenen Funktionen von Pracht über Nützlichkeit bis zur Wildnis. Die Sieben Gärten der Buga bieten eine Vielfalt an Standorten für Kunstwerke und ermöglichen es, ungewöhnliche Atmosphären für die Kunst zu finden.
Kunst auf der Buga 2009 wird kein zusätzliches Element zum Schmuck der Blütenpracht sein, keine besondere Sahnehaube auf der Gartenausstellung. Kunst kann heute auch nicht mehr mit der Beliebigkeit der ‚dropped sculpture’ im öffentlichen Raum verteilt werden. Kunst auf der Buga Schwerin 2009 lehnt sich deshalb an das moderne Modell der Standortspezifik von Kunst im öffentlichen Raum an. In den letzten Jahren haben Gartenschauen vermehrt schon standortspezifische Themen aufgegriffen, wie „Konversion von Landschaft“ 2001 in Potsdam oder „Verborgene Gärten“ 2002 in Wismar.
In Schwerin gibt es nun auf Grund der in der Stadt vorhandenen historischen Gärten erstmals die Möglichkeit, den Garten selbst und die Entwicklung der Gartenkunst zum eigentlichen Thema zu machen. Garten wird sichtbar als Vorstellung von Natur und die Gartenkunst wird zu einem standortspezifischen Thema. Die Leitlinie „Entworfene Natur“ ist dabei sowohl als Meta-Thema über Natur und Natürlichkeit als auch als Generalbass der Gartenkunst zu verstehen.
Darüber hinaus bieten die Kooperationen mit dem Staatlichen Museum Schwerin und dem städtischen Kulturbüro die Möglichkeit, das Thema „Entworfene Natur“ ins Verhältnis zum musealen Raum und zum öffentlichen Stadtraum zu setzen. Die Kunst auf der Buga Schwerin 2009 wird alle Formen zeitgenössischer künstlerischer Praxis zeigen. Sie zielt auf künstlerisch herausragende Projekte und anregende, ungewöhnliche Konzepte. Die Kunst auf der Buga Schwerin 2009 ist offen für alle medialen Formen: von Skulptur und Malerei zu Klang, Licht, Projektionen und zu vielem mehr. Ebenso sind performative und partizipatorische Formen möglich.
Die kuratorische Leitlinie „Entworfene Natur“ für die Kunst auf der Buga Schwerin 2009 möchte Anregung, Herausforderung und Leitmotto für die Künstler in Schwerin und Mecklenburg-Vorpommern und auch für auswärtige Künstler sein, sich für das Kunstprogramm der Buga Schwerin 2009 zu interessieren.
Kontakt:
Bundesgartenschau Schwerin 2009 GmbH
Eckdrift 43 – 45
19061 Schwerin
Jochen Sandner
Geschäftsführer
Telefon: 0385 – 2009 100
Frau Dr. Anne Marie Freybourg
Kunst-Kuratorin
Telefon: 030 - 31 50 74 57
Handy: 0178-52 09 303
Mail: freybourg@snafu.de
Ladislav Villanyi
Projektsteuerung
Telefon: 0385 – 2009 700
Download:
Kuratorische Leitlinien